Nachhaltige und klimaneutrale Luftfahrt für die Energiewende am Himmel

Hochtechnologie aus Deutschland für das Flugzeug der Zukunft

Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Die zivile Luftfahrtindustrie steht vor zwei nie dagewesenen Herausforderungen. Erstens hat die Corona-Pandemie die bislang schwerste Krise in der zivilen Luftfahrtindustrie ausgelöst. Zweitens steht die Luftfahrt an der Schwelle zum klimaneutralen Fliegen. Die europäische Luftfahrtindustrie hat sich zum Ziel gesetzt, Anfang der 2030er Jahre ein emissionsfreies Verkehrsflugzeug auf den Markt zu bringen.

Fliegen verbindet Menschen, Kulturen und Länder. Gerade für Exportnationen wie Deutschland sind Verbindungen in alle Welt kein Luxus, sondern überlebenswichtig. Zudem ist die Luftfahrtindustrie in Deutschland eine strategische Schlüsselindustrie. Nicht das Fliegen ist also das Problem sondern die Klima- und Umweltwirkungen der Emissionen, die der Luftverkehr verursacht.
Die Corona-Krise und ihre extremen Auswirkungen auf die Luft- und Raumfahrtindustrie sind eine Chance, die Modernisierung der Flotten voranzutreiben und der Transformation zur Energiewende in der Luftfahrt den Weg zu bereiten. Mit dem Ziel des klimaneutralen Fliegens wird die deutsche Luftfahrtindustrie ihre Forschungsanstrengungen radikaler voranbringen als je zuvor. Es kommt heute darauf an, die Technologien vorzubereiten, welche ein zukünftiges Wachstum im Luftverkehr ohne Schädigung der Umwelt ermöglichen. Nur so wird Luftfahrt-Hochtechnologie aus Deutschland auch zukünftig die Erfolgsserie des Airbus-Single-Aisle Programms anführen können und maßgeblich für Zulieferungen in internationale Flugzeugprogramme gefragt sein.
Insbesondere das Luftfahrtforschungsprogramm (Lufo) der Bundesregierung leistet auf diesem Weg einen unschätzbaren Beitrag.

Der Weg zum klimaneutralen Fliegen

Um klimaneutralen Luftverkehr bis 2050 zu ermöglichen, ist eine Energiewende in der Luftfahrt notwendig. Der Schlüssel liegt in der Umstellung der Antriebsenergie von fossilen auf erneuerbare Energieträger.
Folgende Maßnahmen ebnen den Weg zum klimaneutralen Fliegen:

  1. Kontinuierliche Flottenerneuerung mit öko-effizienten Flugzeugen und weitere Optimierung im Luftverkehrsmanagement,
  2. Industrialisierung und Weiterentwicklung von Technologien zur Herstellung von nachhaltigen alternativen Luftfahrtkraftstoffen (SAF) sowie schrittweise Erhöhung der Beimischung zu fossilem Kerosin
  3. massive F&E-Investition in neue Flugzeugkonfigurationen und -antriebe mit der Perspektive
    1. Kurzstrecke – vollelektrisches Fliegen
    2. Mittelstrecke – hybrid-elektrisches Fliegen mit SAF, Wasserstoff-Brennstoffzelle oder direkte Verbrennung von Wasserstoff im Turbofan-Antrieb
    3. Langstrecke – Turbofan-Antrieb mit SAF
  4. Kompensation verbleibender Emissionen

Die in Frage kommenden klimaneutralen Energieträger bringen gegenüber fossilem Kerosin in der Regel nicht nur Kostennachteile sondern auch besondere Herausforderungen hinsichtlich Volumen, Gewicht und Sicherheit mit sich. Um dennoch wirtschaftlich wettbewerbsfähige Luftfahrzeuge anbieten zu können, sind massive Investitionen in Forschung und Technologie und die intelligente Kombination aller Disziplinen der Luftfahrttechnologie erforderlich. Dies betrifft neben dem Antriebssystem inklusive Energiespeicher ebenso auch klassische Disziplinen wie die Aerodynamik, Flugzeugsysteme, Kabine und Fracht, Flugführung und Flugregelung. Insbesondere dem radikalen Systemleichtbau kommt eine zentrale Rolle zu. Außerdem werden Digitalisierung und Querschnittstechnologien wie Quanten-Technologien und Künstliche Intelligenz wichtige Wegbereiter für das klimaneutrale Fliegen sein.
Um diese Jahrhundertaufgabe zu stemmen, ist maximales Engagement und Kooperation aller Beteiligten erforderlich: Hersteller, Fluggesellschaften, Flughäfen, Behörden und ganz besonders Forschung und Politik. Das klimaneutrale Fliegen ist eine gesamtgesellschaftliche Priorität.

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